Werktext
Die ganze Bildfläche hat die Farbe getrockneten Grases.
In der Mitte steht ein einzelner Baum. Seine Zweige neigen sich alle zu einer Seite
und zeigen die Richtung eines unsichtbaren Windes.
Auf dem Hügel darunter sind ein Pferd und eine zusammengekauerte Gestalt.
Die beiden sind einander nah, doch sie wechseln kein Wort. Und doch ist das
Schweigen nicht leer.
Fern, unter dem Horizont, zieht ein kleines Boot vorüber, und ein Vogel fliegt tief.
Himmel und Meer ruhen still im selben Licht.
Watsuji sah das Fūdo nicht als eine Umwelt außerhalb des Menschen, sondern als
die Weise, in der der Mensch sich selbst findet.
Auch dieses Bild zeigt nichts anderes.
Die Gestalt und das Pferd empfangen denselben Wind, bleiben am selben Ort,
beugen sich unter ihm auf dieselbe Weise.
Sie erklären einander nicht. Sie harren nur gemeinsam im selben Fūdo aus und
stehen gemeinsam.
Dialog entsteht nicht allein durch Sprache.
Denselben Wind gemeinsam zu empfangen, dasselbe Schweigen gemeinsam zu
durchschreiten — auch das ist ein Dialog.
Auch ohne Worte ist es ein Dialog.
Schlüsselkontext
Byun Shi-Ji war ein koreanischer Maler der Moderne und Gegenwart, der Jejus Fūdo nicht als Kulisse, sondern als Bedingung des Daseins malte. Einsamkeit, Warten, Wind und die Farbe trockenen Grases verbinden seine Kunst zu einem glokalen koreanischen Modernismus.
