Werktext
Ein einzelner Baum
richtet seinen Körper lang auf,
dem Himmel zu.
Es ist kein Baum, der gerade gewachsen ist.
Lange hat er dem Wind standgehalten,
gebeugt, und wieder gebeugt.
Vom Ende dieses gebeugten Körpers
steigen zwei Vögel auf.
Um nicht im Feld zu versinken,
um nicht vom Wind verschüttet zu werden,
rufen sie im höchsten Ton.
Wir leben, wir sind hier,
damit der Klang
bis ans Ende des Himmels reicht.
Der hohe Ton
ist ein Klang, der das eigene Dasein emporhebt,
um am Ende
nicht zu verschwinden.
Auch wenn der Körper in der Erde steckt
und am Ort der Verbannung bleibt,
kann der Klang den Körper verlassen
und dorthin steigen, wo
die leere Sonne ist.
Jenes Flügelschlagen
ist nicht vom Baum getrennt.
Es ist der eine Ton,
den der gebeugte Körper ein Leben lang barg,
der endlich Flügel bekam.
Schlüsselkontext
Byun Shi-Ji war ein koreanischer Maler der Moderne und Gegenwart, der Jejus Fūdo nicht als Kulisse, sondern als Bedingung des Daseins malte. Einsamkeit, Warten, Wind und die Farbe trockenen Grases verbinden seine Kunst zu einem glokalen koreanischen Modernismus.
